Erlebnisse und Erfahrungen mit dem HANSA JET

Erfahrungen aus der HANSA JET Frühzeit

von Knud Bartels


Es war Mitte 1966, die Flugerprobung des HANSA JET stand an und sollte mit zwei Flugzeugen in Spanien stattfinden, d.h. präzise nahe Madrid auf der spanische Airforce Airbase Torrejon, die damals auch die größte USAF Airbase in Europa war. In Deutschland gab es seinerzeit keinerlei Erfahrung in der Durchführung eines Flugerprobungsprogramms noch dazu im Ausland und mit der Vielzahl der administrativen Schwierigkeiten die damit verbunden waren.

Torrejon wurde wegen des guten Wetters und der 2 000 ft Platzhöhe als ideale Operationsbasis ausgewählt. Die S1 (D-CARA) war bereits dort eingetroffen und wir (d.h. H. (Klafike und ich) wurden beauftragt die S2 (D-CARE) nach Torrejon zu überführen. Nichts leichter als das, denn wir wähnten uns gut präpariert für diese Aufgabe. Die S2 hatte wie S1 erst "Experimental" Status und mit den 5 Freiheiten der Luft war es damals auch noch nicht soweit her in Europa. Wissend um diese Umstände hatten wir selbstverständlich eine Diplo-Clearance für den Überflug (Frankreich, Benelux & Spanien) eingeholt und machten uns auf den Weg, d.h. den Flug nach Spanien.

Der Flug verlief wie geplant und schließlich erreichten wir den spanischen Luftraum und bekamen Kontakt mit Torrejon Tower der von USAF ATC Personal betrieben wurde. Unsere Meldung wurde bestätigt und dann hieß es zunächst Stand-by und schließlich wurden wir in den Holding Pattern geschickt. Dann kam eine Schockanweisung. Torrejon sei eine Military Airbase hieß es (was uns wohl bekannt war) und wir hätten keine Clearance dort zu landen. Mit anderen Worten: "nun verschwindet hier, wir haben incoming fighter traffic". D.h., zu unserem mittleren Entsetzen schloss die Diplo Clearance für Spanien eine Landung in Torrejon nicht ein. (Darauf muss man erst mal kommen zumal ja unser Flugplan akzeptiert worden war).

Da hingen wir nun im Holding Pattern und unser Kraftstoffvorrat geriet auf einen Besorgnis erregenden Tiefstand. Wir erklärten dem Tower unsere missliche Lage und forderten Hilfestellung ein. Nach einigem hin und her schließlich die erlösende Anweisung nach Getafe Airfield zu fliegen und dort zu landen. Getafe liegt zu Madrid wie etwa Finkenwerder zu Fuhlsbüttel und ist der Firmensitz mit Firmenflugplatz von CASA. CASA unterhielt dort unter Anderem einen Wartungsbetrieb für USAF Flugzeuge. CASA war aber auch beteiligt am HANSA JET Programm und konstruierte und fertigte die Leitwerke.

Nun, wir erreichten Getafe und erhielten auch prompt die Landeerlaubnis. Der Follow Me führte uns in eine entlegene Ecke des Vorfeldes und dorthin wurden wir von einer Reihe von Militärfahrzeugen begleitet. Ein Empfangskomitee wie wir vermuteten. Beim Aussteigen erwartete uns jedoch die nächste unerfreuliche Überraschung. Mit MP bewaffnete Militärpolizei sistierte uns (ohne Handschellen oder Kabelbinder) und wir wurden erst einmal in einem Büroraum für einige Stunden festgesetzt.

Die S2 wurde dementsprechend an die Kette gelegt und uns erst eine Woche später wieder überantwortet. Mit Hilfe der deutschen Botschaft und unserer Erprobungsleitung die schon in Torrejon vor Ort war, erlangten wir schließlich unsere Freiheit wieder. Das wäre heutzutage zu Zeiten der allgegenwärtigen Terroristenhysterie für uns wohl nicht so glimpflich ausgegangen. Wenigstens CASA zeigte sich von der Geschichte etwas peinlich berührt und war uns während der monatelangen Flugerprobungsperiode ein wertvoller und hilfreicher Partner.

Knud Bartels


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Knud Bartels  *  09 / 2007